Leadership
Von Marcus Winterfeldt
Egal, ob Du zum ersten Mal ein Work-at-Home Team führst oder schon ein alter Hase bist, Dein Ziel ist, dass Deine Mitarbeiter im Home-Office genauso produktiv sind wie vor Ort im Büro. Jedem Team sollte geholfen werden, sich individuell auf die neue Situation einzustellen.
Die drei wichtigsten Parameter bei der Führung auf Distanz sind Kommunikation, Verbundenheit und Vertrauen.
Kommunikation ist der Eckpfeiler jeder funktionierenden Gruppe und herausfordernd für räumlich getrennte Teams. In Zeiten von Zoom, Slack, Microsoft Teams, Jira und Trello sind eine Vielzahl unterstützender Werkzeuge vorhanden, die nur professionell bespielt werden müssen. Die Rolle der Führungskräfte ist hier zu moderieren und präsent zu sein für Probleme, Ideen, Gedankenaustausche, Entscheidungen etc. Proaktiv sollte die Führungskraft deutlich häufiger als üblich Arbeitsfortschritte, Zwischenstände und Status weitergeben, um ein Gefühl von Fortschritt zu vermitteln.
Unter räumlicher Trennung leiden besonders der Teamspirit und das Gefühl von Verbundenheit. Mitarbeiter fühlen sich schon nach kurzer Zeit von Team und Unternehmen entkoppelt. Der Effekt wird verstärkt, da Mitarbeiter beginnen, nur noch beruflich zu kommunizieren. Starke persönliche Bindungen entstehen durch den kurzen Austausch vor oder nach Meetings, an der Kaffeemaschine oder beim gemeinsamen Mittagessen. Für Work-at-home Teams ist es hochrelevant, sich hierfür bewusst Zeit zu nehmen. Insbesondere anfangs ist es ratsam einen Rahmen vorzugeben — etwa zu Beginn einer Video- oder Telefonkonferenz. Dies stärkt die Verbindung untereinander und schafft das Gefühl, weiterhin Teil des Ganzen zu sein.
Vertrauen ist die psychologische Sicherheit, die man gegenüber einem Individuum oder Team spürt. Wenn Vertrauen zwischen den Kollegen besteht, ist das ein Motor für den Erfolg eines jeden Teams. Persönliche Interaktion und Kommunikation schaffen Vertrauen. Bei Work-at-home Teams steht dieser Vorteil in Frage: arbeiten die Anderen wirklich genauso entschieden an unseren Themen wie ich? Selbst wenn Führungskräfte ihre Teams voller Vertrauen ins Homeoffice entlassen, bedeutet das noch lange nicht, dass dieses Vertrauen auch unter den Teammitgliedern geteilt wird. Tragisch ist, dass das Mißtrauen zu einer Abwärtsspirale der eigenen Motivation und letztlich zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung wird. Work-at-Home Teams brauchen also ein höheres Maß an Vertrauen zueinander, um zu funktionieren. Wie schafft man dies bei einem Team, das sich nicht am gleichen Ort befindet? Wie baut man Vertrauen zu Menschen auf, die man noch nie getroffen hat? Der Schlüssel ist die eigene Haltung, die von Respekt und Aufmerksamkeit geprägt ist. Bau Vertrauen auf, und Dein Team wird gedeihen, zusammenarbeiten und innovativ sein. Alles, was es braucht, ist ein wenig Vorbereitung und die richtige Denkweise.
In einem Team vor Ort bauen wir durch unsere regelmäßigen täglichen Interaktionen Vertrauen auf. Ein gemeinsamer Kaffee, ein Mittagessen, ein Small-Talk im Aufzug oder ein gemeinsames Meeting helfen uns, uns gegenseitig zu verstehen. Das sagst du alles oben schon, könnte man den weglassen? Denken wir jetzt an Work-at-Home Kollegen: Es gibt keine Chance für diese beiläufigen Treffen, diese zufälligen Begegnungen, diese persönliche Sozialisierung, die Sie mit Ihrem Team vor Ort erreichen. Die Interaktionen erfolgen per E-Mail, Chat oder Video. Sie ist selten und unpersönlich und behindert den Aufbau von Vertrauen. Es muss also anderes gehen. Und das ist nicht allzu schwierig, wenn man es richtig angeht:
Damit ein Team effektiv zusammenarbeiten kann, ist es hilfreich die unterschiedlichen Arbeitsstile zu kennen. Lass jedes Teammitglied über seinen Arbeitsstil, seine Fähigkeiten, seine Stärken und seine möglichen Aufgaben berichten. Mach Dir ein Bild davon, wie das Team gerne kommuniziert, wie viel Autonomie es mag und wie es gerne mit anderen zusammenarbeitet. Wenn Du alle Informationen zusammengetragen hast, erstelle eine Team-Charta. Lege darin fest, wie das Team zusammenarbeiten wird. Versuche die individuellen Arbeitsstile so weit wie möglich in der Charta unterzubringen und teile sie dann mit dem Team. Die Team-Charta hilft Dir, die Dynamik deines Teams zu verstehen. Bitte jedes Teammitglied per E-Mail oder Chat um Beantwortung der folgenden Fragen:
Was ist Deine Sicht auf Führung? Hierarchisch oder flach?
Bevorzugst Du eine Entscheidungsfindung von oben nach unten oder eine auf Konsens basierende?
In welchen Situationen oder Zeitfenstern kannst Du dich nicht an Teammeetings beteiligen?
Bist Du strategisch oder detailorientiert?
Was ist Dir wichtig, bei auftretenden Konflikten?
Sobald die Team-Charta steht, ist es Zeit für den Kick-Off. Er schafft ein positives und kooperatives Umfeld und startet das Team aus einer Vertrauensposition heraus. Ein Remote-Kick-Off kann gut funktionieren, wenn Du ihn gut führst. Mach den Einstieg so gesellig wie möglich und finde den richtigen Ton. Ergänze Deine Skype- oder Zoom-Einladung um eine Agenda und Bitten an die Teilnehmer: ihre Biographien im Voraus zu teilen, ein Foto zu schicken und ihre Biographie und Foto der Team-Charta hinzuzufügen.
Teile im Kick Off die Fakten mit der Gruppe und stellt euch gegenseitig Fragen. Das Team lernt sich gegenseitig kennen, baut engere soziale Bindungen auf und schafft die Basis für Vertrauen.
Es gibt eine einfache Regel, die zu befolgen ist, um das Vertrauen in einem Work-at-home Team aufrechtzuerhalten: Kommunizieren, kommunizieren und noch mehr kommunizieren. Kommuniziere weit mehr als mit einem vor-Ort Team, um den Mangel an persönlichen Treffen auszugleichen. Variiere die Art und Weise, wie du kommunizierst per Telefon, Chat, E-Mail, Video usw. und richte ihn auf die Bedürfnisse der Einzelnen aus. Ein Kommunikationsstil passt nicht für alle. Eine häufige Kommunikation hilft, ein besseres Gefühl für Konflikte oder Spannungen zu bekommen, die das Vertrauen zerstören könnten. Führe mehr Einzelgespräche mit den Teammitgliedern und höre Dir an, was ihnen durch den Kopf geht. Damit kommst Du entstehenden Spannungen auf die Spur.
Regelmäßige Rituale halten als Bestandteil Deiner Teamkultur die Aufmerksamkeit Deines Teams hoch. Sie dienen der Kompensation persönlicher Vor-Ort Kommunikation. Z. B. Halte Freitagnachmittag eine Kaffeepause über Video ab. Verzichte dabei auf Arbeitsgespräche und tausche Dich stattdessen über Wochenendpläne aus, was Du gerade liest oder wie ihr euch die Zeit vertreiben werdet. Mach das zu einem wöchentlichen Ritual. Oder beginne jedes Gespräch mit einem Smalltalk, um soziale Beziehungen zu stärken. Richte einen Slack-Kanal ein, um Offline-Small-Talk zu führen oder lustige Inhalte zu teilen; #stupidvideos wird garantiert ein Hit. Ich höre schon die Rufe: „Das ist aber unprofessionell. Das mache ich nicht. Da verstoß ich dann vielleicht noch gegen Urheberrechte.“ Überleg Dir das nochmal: es geht darum, Vertrauen zwischen Menschen aufzubauen, die zusammenarbeiten und Menschen mögen es, Spaß miteinander zu haben.
Wenn Du Dein Work-at-Home Team zerstören willst, sei Mikro-Manager. Zeige stattdessen Vertrauen in Dein Team, indem Du ihm Autonomie und Handlungsspielraum gibst. Lass das Team wissen, dass Du sie als kompetente Fachleute betrachtest, die das Richtige tun werden und dass sie sich gegenseitig genauso sehen sollten. Mach Autonomie und Handlungsfähigkeit zu Grundwerten Deines Teams.
Welche Erfahrungen hast Du mit Work-at-Home gemacht? Schreib mir.